Manche Dinge brauchen Ausdruck.
Vielleicht mag dich etwas davon inspirieren oder zum Nachdenken und Forschen anregen.

Still - eine persönliche Auseinandersetzung zum Thema Introvertiertheit, Performance Zürich 2024
Still.
Ich höre etwas, was du nicht hörst.
Still.
Ich sehe etwas, was du nicht siehts.
Still.
Ich fühle etwas, was du nicht fühlst.
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Das Knirschen deiner Gedanken und Gespinste.
Das Klacken deiner Wimpern in deiner Unsicherheit.
Das Donnern des Schauderns auf deiner Gänsehaut.
Das Rumpeln der Brotkrumen neben dem Tellerrand
bei deren Verträumen zu Luftschlössern.
Das Krachen beim Zerbröseln ebendieser.
Das Knarren der Wolken, aufgespannt am Himmelsrund.
Das Flattern ihrer Schatten auf dem sommerheissen Teer,
jauchzende Glieder der sich formenden Freundeswesen.
Das Grännen ihrer Regentropfen,
wenn sie sich zu Tümpeln und Enttäuschungen sammeln,
rauschend das Fenster herabrinnen.
Das Seufzen des Schnees,
wenn er sich auf die herbstmüde Matte legt,
erleichtert, endlich angekommen zu sein.
Still.
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Soviel mehr als
einfach nur
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Still.
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Wie oft hast du schon gedacht, dass jemensch komisch ist, weil mensch so still ist?
Wie oft hast du schon gedacht, dass du komisch bist, weil du so still bist?
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Wasserstudien, Island 2023
Verlangsamung.
Vergänglichkeit.
Neuanfänge.
Kraft.
Fallenlassen.
Loslassen.
Wasser
fliesst als Fluss
lässt sich treiben
von hier nach da
und ruht, wenn es müde ist
ruht als See, ruht als Meer
in seiner endlosen Weite
zwischen sich verschwimmenden Grenzen
Rund und geschmeidig, weich und beständig
Trägt es mich
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Leichtigkeit.
Auflösung.
Klärung.
Wasser frisst sich durch Steine,
nimmt sich seinen Weg, wo es ihm gefällt,
schlängelt sich als Fluss um die Welt.
Wird begradigt, bricht aus, tritt über seine Grenzen hinweg in die Freiheit.
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Wasser wärmt, siedet und kocht
dampft, dunstet, nebelt, umnebelt mich im Herbst.
Wasser verfliegt, verflüchtigt sich zu Wolken. Schwebt.
Lässt sich in Wasserfällen fallen, Regnet sich nieder.
Wasser nieselt, tropft, durchtränkt die sommerheisse Erde in Pfützen.
Wasser erstarrt, gefriert, rutscht, bringt Dinge ins wanken,
spiegelt kristallklar und knirscht mir mit seinen Winterzähnen entgegen.
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Wasser hagelt, schneit sich zu Bergen, verpackt die Landschaft still in seinem Schnee, sanft, weich, bitterkalt umhüllt es mich.
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Wasser taut, Wasser schmilzt
Und transportiert, treibt, schwemmt, überschwemmt,
flutet, überflutet mich in Strömen als Sommergewitter.
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Wasser schwimmt, taucht, rollt, springt, überschlägt sich in Wellen
Wasser zieht, schlägt, peitscht, stösst,
Wasser ist stark, mächtig, kraftvoll
Wasser ist chaotisch, wild und zerstreut, aufgeregt
Wasser zerstört, um Neues zu gebären
Wasser pulsiert, pocht, ploppt und donnert
spuckt, sprudelt, brodelt, blubbert
Wasser berührt, sticht, streichelt, schmeichelt
Wasser klimpert, klappert, kitzelt
Wasser spricht, singt, zischt
Rauscht und gurgelt,
Wasser lärmt und Wasser
ist still.
Wasser sind Tränen.
Wut, Trauer, Angst, und Freude.
Wasser bist du,
und Wasser bin ich.

